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| ausgabe 08 |
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PEACE !
> Warum sollten Studenten die PDS wählen?
> G. GYSI: Wir brauchen in Berlin wirklich einen Neuanfang. Wir müssen raus aus diesen provinziellen Filzstrukturen. Wir müssen ein weltoffenes und weltstädtisches Angebot organisieren, um so die internationale Reputation der Stadt als Studienort zu erhöhen und sie als Kultur-, Wissens- und Wirtschaftsstandort noch attraktiver zu machen. Wir brauchen einen intellektuellen und einen ökonomisch-sozialen Schub. Und ich versuche für beide zu stehen, da sie in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. <
> Wie könnte eine Kooperation zwischen Wirtschaft und Universitäten aussehen?
> G. GYSI: Man muß dafür sorgen, daß Erkenntnisse in der Wissenschaft schneller zu Unternehmen kommen und zwar gerade zu den mittelständischen und kleineren. Da muß man eine Verbindung herstellen, mit deren Hilfe die Universitäten die Bedürfnisse kennenlernen und herausfinden, welches Wissen für diese wichtig ist. Über Fachhochschulen und Universitäten für Mitarbeiter aus den kleinen Unternehmen und mit der Jobrotation z. B. Weiterbildungen organisieren, dann Arbeitslose in dieser Zeit ihre Tätigkeit im Unternehmen verrichten lassen, wäre eine Möglichkeit, das Interesse der Wirtschaft an der Wissenschaft zu erhöhen. Wir müssen auch unseren Unternehmen und den Bürgern klar machen: wenn wir nicht auf die Schwerpunkte Kultur, Bildung und Wissenschaft setzen, dann setzen wir nicht auf die Punkte, bei denen wir einen Vorteil gegenüber anderen Regionen haben. <
> Gibt es einen staatlichen Regelungsbedarf bei den Unis, was die Kooperation mit der Wirtschaft angeht?
> G. GYSI: Wenn ich jede Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft zu verhindern versuche, dann ist das Schwachsinn. Wenn ich eine Abhängigkeit organisiere, ist das auch falsch. Man braucht eine freie Universität, die Wissenschaft und Forschung betreibt und dabei aber auch Nützliches für die Wirtschaft produziert. Insofern muß man dann die Verbindungen koppeln, damit sich auch die Wirtschaft an den Kosten beteiligt. Ohne staatliche Regulierung würde sich der soziale Unterschied als Bildungsunterschied permanent reproduzieren. Daher müssen wir das Verbot von Studiengebühren dauerhaft verankert bekommen, da solche Dinge auf eine soziale Ausgrenzung hinaus laufen. Natürlich muß man sparen und versuchen, Dinge wirtschaftlicher zu machen, aber das darf nicht der ausschlaggebende Maßstab sein – die Uni ist kein Unternehmen. <
> Sehen sie die heutige Studentenschaft eher kritisch, was das politische Engagement angeht?
> G. GYSI: Das hängt natürlich auch damit zusammen, daß den ASten das politische Mandat genommen wurde, das frustriert. Wie in der Politik führt der Eindruck, bei Entscheidungen nicht recht mitwirken zu können, dazu, daß die Leute nicht mehr zur Wahl gehen. Grundsätzlich läßt sich sagen: Wenn du die Möglichkeiten eines Parlaments so beschneidest, ist das Interesse, da hineinzugehen oder an der Wahl teilzunehmen, geringer. Andererseits nutzen die Studenten bestehende Möglichkeiten zu wenig; sie sind nicht engagiert genug. Ich habe auch den Eindruck, daß Studierende heute stärker darüber nachdenken, was sie nach dem Studium machen und das war früher nicht so. <
> Haben die Unis kulturell abgebaut? Sind sie unwichtiger in diesem Diskurs geworden?
> G. GYSI: Es gibt diesbezüglich zweifellos einen Übergang zu den Medien. Die Diskussion ist von den Unis, über die man 68 noch berichtet hat, auf die Medien übergegangen, die heute der Nährboden des Diskurses sind. Aber das kann sich wieder ändern.
Ich sage ja nicht, daß dabei keine Erkenntnisse entstehen können, aber für komplexe Diskussionen ist eine 45-Minuten-Talkshow kein Medium. Man kann Themen, wie die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auch nicht in eineinhalb Minuten darlegen. Genau diese notwendige Zeit hatte man damals an den Universitäten, und dann sind Erkenntnisse entstanden, die sich dann wiederum in den Medien, wenn auch verkürzt, widerspiegelten. <
> Wie sehen Sie die momentane Situation nach dem Anschlag von New York?
> G. GYSI: Durch die Veränderungen in den Medien, die deregulierten Finanzmärkte u. ä. sind Entwicklungsunterschiede von bis zu 500 Jahren entstanden, und das ist nicht verkraftbar für die Menschheit. Man muß z. B. die internationalen Märkte demokratisieren und die Entwicklungshilfe auf ein völlig neues Niveau heben, denn das Ziel muß darin bestehen, demokratische, freiheitliche Strukturen herzustellen und sie mit sozialer Wohlfahrt zu verbinden Frieden muß attraktiv sein. Wenn Menschen vom Leben nichts zu erwarten haben, dann ist der Frieden nicht attraktiv, und dann sind sie auch leicht zu fanatisieren. Trotzdem ist auch ganz klar, daß man die Schuldigen strafrechtlich konsequent verfolgt. <
Das Interview führten Tino Brömme und Ernesto Castillo
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