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ICH, LEKTOR

   | Rainer Wieland, 33, freiberuflicher Lektor für Belletristik und Sachbücher, arbeitet u.a. für die „Andere Bibliothek“ des Eichborn-Verlags und ist daneben auch als Herausgeber tätig. Seine jüngste Publikation „Die Welt der Encyclopédie“, eine Auswahl aus Diderots berühmter Encyclopédie, erschien im September 2001. Das Interview führte Thomas Vetsch.

> Für viele Germanisten und andere Geisteswissenschaftler ist es ein Problem, nach Ende des Studiums eine Arbeit im gelernten Gebiet zu finden. Sie haben es geschafft. Wie?

> WIELAND: Nun, Spaß an Büchern hatte ich schon immer. Während des Studiums begann ich, bei verschiedenen Tageszeitungen Korrektur zu lesen. Dann bewarb ich mich bei einem kleinen Berliner Verlag als Korrekturleser und wurde angenommen. Anschließend ergab sich die Möglichkeit, bei diesem Verlag ein Praktikum zu absolvieren. <

> Praktika sind nicht unumstritten. Viele Studenten haben dabei schlechte Erfahrung gemacht. Wie erging es Ihnen?

> WIELAND: Ich konnte sehr stark profitieren. Da ich bei einem kleinen Verlag war, hatte ich Einblick in alle Bereiche, das heißt von der Programmplanung über Lektorat, Herstellung, Vertrieb bis hin zur Pressearbeit. Durch dieses Praktikum wurde mir klar, was mich am Büchermachen am meisten interessiert, und das war eben die inhaltliche Arbeit. Unmittelbar nach Beendigung des Praktikums wurden mir verschiedene kleinere Lektorate angeboten, und ein Jahr später hatte mich der Verlag fest angestellt. Dabei war ich zu der Zeit noch Student. <

> Und die Uni?

> WIELAND: Meine Magisterarbeit habe ich so zwischendurch geschrieben... Nein, ich hab’s schon ernst genommen. <

> Ihr weiterer Weg?

> WIELAND: Alles lief über Kontakte und persönlichen Empfehlungen. Bewerben mußte ich mich noch nie, auch keine Zeugnisse oder Ähnliches einreichen. So kam ich auch zu Enzensbergers „Anderer Bibliothek“. <

> Hatten Sie einfach nur Glück?

> WIELAND: Dieser geradlinige Weg von mir ist vielleicht schon Zufall. Wenn ich mir Studenten ankucke, die jede Semesterferien zwei Praktika machen, muß ich doch sagen, daß ich Glück gehabt habe. Aber natürlich muß die Arbeit, die man macht, auch gut sein. <