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| ausgabe 08 |
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KRIEG UND STUDIUM
| Thomas Vetsch. Afghanistan steckt in einer tiefen politischen Krise. Nachdem sich 1989 die UdSSR nach zehnjährigem Krieg zurückgezogen hatte, setzten die Mudschaheddin ihren Kampf fort, diesmal gegen die eigene Regierung. Mit der Einnahme der Hauptstadt Kabul 1992 endete der Bürgerkrieg, doch Ruhe kehrte nicht ein. 1995 erzielten die ein Jahr zuvor gegründeten Taliban massive Siege und zwangen die Regierung zum Rücktritt.
Trotz all dieser Wirren konnte das universitäre Leben bis zum Beginn des Bürgerkrieges aufrecht erhalten werden. Während des Bürgerkrieges jedoch wurden weite Teile der Uni Kabul zerstört und vermint. Nach Ende des Bürgerkrieges wurde sie von freiwilligen Studenten aufgeräumt und entmint. Inzwischen sind Teile wieder offen, doch an ein normales Studium ist nicht zu denken, bedingt auch durch die Machtergreifung der Taliban.
Seitdem gibt es in Afghanistan kein geregeltes Schulwesen mehr. Außer in stark religiösen Gegenden findet Bildung nur im Rahmen von internationalen Hilfsprogrammen statt, doch diese sind eingeschränkt und erreichen nur einen kleinen Prozentsatz der Bevölkerung. Da es weitgehend an Vorschulung fehlt, ist der Zugang zur Universität auf herkömmlichem Weg nicht möglich. Die Zulassung hängt nicht von der intellektuellen Fähigkeit ab, sondern von Geld, guten Beziehungen und mitunter auch einer Kalaschnikow. Gänzlich unwillkommen sind Frauen und westliche Ausländer. Wer sich immatrikulieren konnte, dem stehen 14 Fakultäten zur Auswahl nur, zu studieren gibt es nicht viel. Es mangelt an einfachsten Dingen wie Wandtafeln (an Computer gar nicht zu denken), Unterrichtsmaterial und ausgebildeten Professoren. So wird das Studium in Afghanistan zu einer Prestigesache ohne großen wissenschaftlichen Wert.
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